Biografie

Martin Demmler – Robert Schumann und die musikalische Romantik

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Inhalt: Die Biografie „Robert Schumann und die musikalische Romantik“ von Martin Demmler ist ein sehr gut recherchiertes Buch über einen der größten Künstler des neunzehnten Jahrhunderts. Schon von klein auf mit dem Klavier vertraut, verschreibt sich Schumann schon bald voll und ganz der Musik und nimmt dafür sogar körperliche Leiden in Kauf (beispielsweise bastelt er sich selbst einen Apparat, der es ihm ermöglicht, seinen Ringfinger stärker zu dehnen, um damit besser spielen zu können. Dies hat eine dauerhafte Versteifung zur Folge). Die Liebe zu der Tochter seines Mentoren, Friedrich Wieck, überdauert die gesamte Zeit seines musikalischen Schaffens und auch Leidens. Die beiden Schumanns ziehen mit ihrer wachsenden Kinderschar durch das ganze Land und machen auch vor dem Ausland nicht Halt, um ihre Karriere zu fördern und endlich glücklich zu werden. Als kleine sachliche Leckerbissen zwischendurch dienen in dem Buch die Beschreibungen einzelner Stücke Schumanns, wie beispielsweise die Kinderszenen.

Amhranai meint: Da ich mich privat seit geraumer Zeit mit Robert und Clara Schumann auseinandersetze, habe ich mittlerweile einiges über die beiden erfahren und mir angelesen. Daher bedeutet das Lesen einer weiteren Schumann-Biografie oft ein Stück weit Wiederholung für mich und nimmt mir den Spaß an dem Aufsaugen weiterer Informationen. Dieses Buch allerdings bietet mit seiner klaren Struktur (die Kapitel umfassen meist jeweils eine Jahresspanne von etwa 5 Jahren und sind chronologisch angeordnet) und seinen detaillierten Informationen zu Robert Schumann und seiner Musik viel Neues und hat mich deshalb auch absolut nicht enttäuscht. Insbesondere die Analyse und Erklärung der Stücke, die der Autor meist vorher erwähnt, haben dafür gesorgt, dass sich mein Verständnis seiner Musik gegenüber noch deutlich erweitert hat. Natürlich, vieles wusste ich auch schon. Einiges aber wirklich eben nicht und dafür muss ich dem Buch bzw.dem Autoren ein Lob aussprechen. 🙂

Ich muss gestehen, dass es schon eine Weile her ist, dass ich dieses Buch gelesen habe – im Rahmen einer Lesenacht vor wenigen Wochen, an der ich teilgenommen (und bis fast zwei Uhr morgens durchgehalten) habe, habe ich es mir wieder gegriffen und erwartungsvoll die erste Seite aufgeschlagen. Da mir die Struktur des Buches dann aber doch irgendwie bekannt vorkam, habe ich es weiter durchgeblättert und festgestellt, dass ich es schon kenne! Anscheinend habe ich es vor einigen Monaten schon einmal gelesen und danach ist es mir irgendwie durchgerutscht. Anfängerfehler. Immerhin habe ich schon sehr früh bemerkt, dass mir der Text nicht neu war – das spricht doch eigentlich für das Buch, oder? 😉

(Wem mein kleiner Monolog über das Wissen bezüglich der Schumanns auch irgendwie bekannt vorkam – hier habe ich schon einmal ein Buch zu diesem Thema rezensiert, allerdings über Clara Schumann, Roberts Frau.)

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Thomas Mann – Doktor Faustus

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Inhalt: Doktor Faustus handelt von dem deutschen Tonsetzer Adrian Leverkühn, der am Ende des neunzehnten und Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebte und dessen Geschichte von seinem besten Freund Serenus Zeitblom niedergeschrieben wird. Der Leser erlebt fast ausschließlich die Perspektive Zeitbloms, der über sein Leben mit seinem Freund berichtet und sich dabei rückblickend alles von der Seele schreibt, was ihn schon zu der Zeit, als noch beide am Leben waren, beschäftigte. Dabei weicht er mehr als einmal vom eigentlichen Ziel des Textes ab, entschuldigt sich dafür aber auch bei seinen Lesern. Leverkühn führte ein Leben als begnadeter Musiker, der es sich zum Ziel gesetzt hat, eine neue Art von Musik zu erschaffen, angelehnt an Arnold Schönbergs Zwölftonmusik (die, in einem Satz zusammengefasst, besagt, dass alle 12 Töne einer Tonleiter in Stücken gleichwertig behandelt werden sollen und nicht denen der Vorzug gegeben soll,die zusammen Harmonien ergeben). Um seinen eigenen hohen Maßstäben gerecht zu werden, verbündet er sich sogar mit höheren Mächten und lässt zu, dass diese sein Leben übernehmen, was Rückschlüsse auf den Faust-Stoff von J.W.v.Goethe zulässt. Am Ende schließlich versammelt Leverkühn alle seine Freunde um sich herum, um ihnen zu berichten, was mit seinem Körper und Geist geschehen ist; etwas, worauf sich zuvor kaum jemand einen Reim machen konnte – auch Zeitblom nicht, der zu dem Zeitpunkt des Erlebens unwissend war, aber bereits über alles im Bilde ist, als er die Geschichte seines Freundes aufschreibt.

Amhranai meint: Ich habe dieses Buch im Rahmen eines Uni-Seminares, das von Germanisten und Musikwissenschaftlern zusammen besucht wird, gelesen. Gewählt habe ich das Seminar in erster Linie,wei ich die Beschreibung des Buches (das mir zuvor noch nie in die Finger gekommen ist), die stark auf die Musik im zwanzigsten Jahrhundert abzielt, interessant fand und mich damit auseinandersetzen wollte. Ich suchte: einen Roman über einen fiktiven Künstler, der sich mit dem beschäftigt, was auch mich enorm interessiert, nämlich mit der Musik. Ich fand: einen komplizierten 700-Seiten-Wälzer mit der Geschichte eines Mannes, der seine Seele an den Teufel verkauft, um musikalisch erfolgreicher zu sein, obwohl er letztlich daran zugrunde geht; erzählt von seinem besten Freund, der -obgleich er nur bei einer begrenzten Anzahl von Szenen tatsächlich anwesend war- über alles Bescheid weiß und den Leser als allwissender Erzähler, der gelegentlich vom Thema abschweift, mit den Höhen und Tiefen des Lebens seines besten Freundes konfrontiert.  Eingerahmt wird diese Geschichte von umfassender Musiktheorie über verschiedene Ansätze des zwanzigsten Jahrhunderts, die sogar mir manchmal zu komplex waren (nun habe ich auch keine Musikwissenschaft studiert, sondern interessiere mich „nur“ privat dafür), und historischen Bezügen, wie dem zu dem Faust-Stoff. Wenn es einen umfangreichen Roman gibt, den ich im vergangenen Jahr gelesen habe, dann ist es dieser hier.

Zeitbloms Schilderungen geben Rätsel auf. Er schreibt die Geschichte seines Freundes Adrian Leverkühn Jahre nach seinem Tod auf und berichtet dabei so detailliert über Ereignisse aus ihrer gemeinsamen Jugend wie über Dinge, die vor kurzer Zeit geschehen sind. Dabei mimt er stets den allwissenden Erzähler, was in einigen Situationen authentisch erscheint, manchmal aber schlichtweg nicht überzeugen kann. Nicht nur müsste man über ein phänomenales Gedächtnis verfügen, um sich Unterhaltungen über Belanglosigkeiten wortwörtlich über Jahrzehnte hinweg zu merken, auch ist er bei einigen Geschehnissen ganz einfach nicht zugegen, wodurch sich dem Leser die Frage stellt, wie er zu diesen Berichten stammt. Allein die Erzählerperspektive hat in unserem Seminar (was aktuell läuft, sodass ich theoretisch jede Woche meine Erkenntnisse hier ergänzen könnte 😉 ) eine ganze Sitzung beansprucht und für eine interessante Diskussion zwischen den beiden Seminarsleiterinnen -eine Germanistin, eine Musikwissenschaftlerin- gesorgt. Wie ist es Zeitblom möglich, so detailliert niederzuschreiben, was vor vielen Jahren geschah? Zudem sollte man das,was er schreibt, nicht als gegeben hinnehmen, da er schließlich in diese Jahre involviert war und somit nicht objektiv berichten kann. Er tritt gewissermaßen zweimal auf: einmal als erlebende Instanz um die Jahrhundertwende und einmal als erzählende Instanz, zur Zeit des zweiten Weltkrieges (in etwa zu der Zeit, als Thomas Mann diesen Roman im Exil schrieb).

Man könnte ganze Abhandlungen über diesen Roman verfassen, dies war nur ein kleiner Einblick in den Umfang und den Aufbau dieses Werkes. Wer sich damit befassen möchte, sei gewarnt vor der Menge an Musiktheorie, aber auch vor der Komplexität des Inhaltes. Dennoch ist Doktor Faustus meiner Meinung nach ein interessantes Buch, das es wert ist, gelesen zu werden. Man braucht nur eben einiges an Zeit und gute Nerven dafür.

Catherine Lépront – Clara Schumann

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Inhalt: Wie der Name schon vermuten lässt, bietet dieses Buch eine umfassende Biografie von der großen Pianistin Clara Schumann, die im 19. Jahrhundert gelebt. In diesem Buch wird in drei großen Oberkapiteln (Das Leben vor der Ehe mit Robert, die Zeit mit ihm und das Leben nach seinem Tod) und diversen Unterkapiteln dargestellt, zwischendurch finden sich immer wieder Bilder, sowohl von Clara, Robert und ihren Kindern, als auch von erwähnten Künstlern,die ebenfalls zu ihrer Zeit gelebt haben. Zusätzlich werden gelegentlich Notenausschnitte und Titelseiten von Claras Werken gezeigt. Am Ende des Buches findet sich neben einem umfassenden Literaturverzeichnis auch eine Zeittafel, die die kulturellen und politischen Geschehnisse des 19. Jahrhunderts zusammenfasst und gut nachvollziehbar darstellt.

 

Amhranai meint: Da mich Clara Schumann schon seit Jahren fasziniert, habe ich bereits ein paar Bücher über sie gelesen. Infiziert wurde ich damals im Musikunterricht in der dreizehnten Klasse, als wir mit unserer damaligen Musiklehrerin über sie gesprochen haben. Ihr Leben als erfolgreiche Frau an der Seite eines ebenfalls erfolgreichen Künstlers, verbunden mit allen Höhen und Tiefen, hat mich in seinen Bann gezogen und seitdem verschlinge ich alle Bücher über sie, die ich in die Finger bekomme. Somit waren mir viele Dinge von dem, was in diesem Buch steht, bereits bekannt. Da die einzelnen Lebensjahre von Clara (und Robert) jedoch so ausführlich dargestellt sind, haben sich auch für mich immer wieder viele neue Aspekte gefunden, die mir noch nicht bekannt waren. (Nicht falsch verstehen – ich würde mich noch längst nicht als Clara-Schumann-Experte bezeichnen. Aber einiges ist mittlerweile schon zusammengekommen) Durch die Bilder von den Schumanns und auch den anderen Künstlern wird den Augen immer wieder Abwechslung geboten, gleichzeitig helfen sie enorm, den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts besser zu verstehen. Die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang, gleichzeitig aber auch nicht nur rasch zusammengeschrieben, sondern sorgsam recherchiert und mit konkreten Literaturhinweisen versehen, die hinten im Anhang auch erläutert sind. Für alle „Clara-Fans“ eine erfrischende Erweiterung des Wissensstandes, für alle Neueinsteiger ein ausführlicher Überblick, der kaum noch Wünsche offen lässt. Und für alle die, die per Zufall über dieses Buch gestolpert sind und noch nicht recht wissen, was sie damit anfangen sollen, ist es ein Schritt in eine neue Richtung, den zu tun es sich wirklich lohnt!