Monat: Februar 2013

Marie-Sabine Roger – Das Labyrinth der Wörter

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Inhalt: Der junge Mann Germain Chaze ist ein absolut liebenswürdiger Mensch, der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Da er aber alles Andere als ein zweiter Einstein ist, wird er in der Gesellschaft nur schwer anerkannt. Eines Tages trifft er in einem Park, den er öfter besucht, um Tauben zu füttern, die Seniorin Margueritte, eine kleine, zerbrechliche Frau, die er sofort in sein Herz schließt. Ihre Leidenschaft für die wundervolle Welt der Bücher steckt ihn schnell an und er erkennt all das Schöne, was bisher noch im Verborgenen geblieben war.

 

Amhranai meint: Dieses Buch war die Empfehlung einer Freundin, der ich aus dem Urlaub schrieb, dass ich neues Lesefutter für den Strand brauchen würde. Sie nannte mir einige Titel, unter Anderem auch diesen hier – wie das Schicksal es so wollte, war dieses Buch das Einzige, das der kleine Buchladen auf Lager hatte. Ich stürzte mich also in die Welt von Germain und Margueritte, die einerseits so kalt und dann auch wieder so warm war. Germains Alltag erweckt Mitleid im Leser, da er von fast allen Seiten schlecht behandelt wird und kaum schöne Dinge erleben darf. Dann lernt er Margueritte kennen, die sein Leben in vielerlei Hinsicht bereichert. Sie füllt sein Herz mit anderen Welten, mit Gedanken, Sehnsüchten und Wünschen, die er vorher nie zugelassen hätte. Die alte Frau, die den größten Teil ihres Lebens schon hinter sich gebracht hat und an einer ganz anderen Stelle steht als der noch recht junge Germain, lehrt ihn, was es heißt, glücklich zu sein.

Trotz der relativ niedrigen Seitenzahl, die dieses Buch beinhaltet (ca. 220), erweckt es unheimlich viele verschiedene Assoziationen in mir. Eine ist die des Boten aus der Fremde, der von außen kommt und etwas im Leben der Hauptperson signifikant verändert. Zwar können seine Funktionen auch noch von dieser Grundidee abweichen, dennoch verbinde ich ihn automatisch mit diesem Buch. Margueritte ist einfach da, so rein und zart wie eine Blume, die ihren Namen trägt, und sie ermöglicht es Germain, ein ganz neues Leben zu beginnen. Lange steckte er allein im Trott fest, bevor sie ihn daraus befreite.

Auch denke ich an ein wunderschönes Lied, das ich vor einigen Wochen erst kennengelernt habe und was ich jetzt auf dieses Buch beziehen kann – „Mourning Lullabye„, ursprünglich von Lauren Kinham, handelt davon, dass jemand, der in einem seelischen Tief steckt, seine Augen öffnet und all das Schöne sehen kann, was ihn umgibt. Zwar kenne ich dieses Lied in erster Linie von einer anderen Sängerin, die gerade gemeinsam mit ihrem Gitarristen eine neue CD veröffentlicht hat, auf der auch dieses wunderschöne Lied zu finden ist (was mich so berührt, dass ich ihr meine Gedanken zu der CD bereits auf 40 handgeschriebenen Seiten habe zukommen lassen), aber der Inhalt bleibt ja in erster Linie derselbe. Germain wird es ermöglicht, seine Augen zu öffnen und etwas Neues zu sehen. Der Gedanke, dass so ein kleiner Auslöser so viel bewirken kann, ist zugleich motivierend als auch aufbauend für jeden Leser, der vielleicht auch mal ein kleines Tief hat. (Die CD ist übrigens sehr zu empfehlen, leider nicht auf Amazon zu bekommen. Bei Interesse gern Mail an mich 😉 )

Insgesamt ein wundervolles Buch, das, auch wenn es recht kurz ist, doch wieder ein Stück Hoffnung weckt.