Monat: April 2012

Barbara Michaels – Dem Zauber verfallen

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Inhalt: Die Volkskunst-Studentin Rachel Grant arbeitet aushilfsweise in einem Laden, der sich auf den Verkauf von sehr alten Kleidungsstücken, Decken und Ähnlichem spezialisiert hat. Die Begegnung mit einem ihr unheimlichen Mann, der den Laden übereilt verlässt und dabei einen mysteriösen Müllsack auf der Veranda zurücklässt, verändert ihr Leben deutlich stärker,als sie das angenommen hätte – nachdem er nachts versucht, bei ihr einzubrechen, um diesen Sack zurückzuholen, quartiert sie sich vorläufig bei ihrer Chefin ein, um ihm nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Dort lernt sie mehr über die Quilts (eine Deckenart, die schon im Mittelalter hergestellt wurde), die in besagtem Müllsack entdeckt wurden, und begibt sich und auch ihre Freunde gleichzeitig in Lebensgefahr, denn einer der Quilts birgt ein dunkles Geheimnis…

 

Amhranai meint: Dieses Buch stand eigentlich nicht auf meiner Leseliste, aber da ich es empfohlen bekomme habe und hier ebenso Bezüge zur Vergangenheit geschaffen sind wie bei Romanen von bspw. Barbara Erskine (die ich ja sehr gerne lese), habe ich dem Buch eine Chance gegeben. Nachdem ich zunächst nicht wirklich angetan davon war, da ich die Beschreibungen von Rachels Leben in der Gegenwart und den Problemen, mit denen sie sich herumplagen muss, als eher langweilig empfand und gespannt auf die ersten Einschnitte aus der Vergangenheit gewartet habe (die sehr sporadisch in Form von Rückblenden eingeführt werden), wird es zwischenzeitlich besser. Die Rückblenden und die Geschehnisse in der Jetztzeit scheinen tatsächlich sinnvoll zusammenzuhängen und es setzen sich erste Lösungsvorschläge in meinem Kopf fest. Für lange Zeit geht es dann aber nicht wirklich weiter, stattdessen verstricken sich die Charaktere in -in meinen Augen – überflüssige Aktionen und ziehen damit die Geschichte unnötigerweise in die Länge. Mit einem Mal ist dann aber plötzlich die Lösung da und alle leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Nicht nur hat mich das plötzliche Ende negativ überrascht, da es für mich in keinerlei Verhältnis zu der Entwicklung der Geschichte stand, auch hat mich die Ausgestaltung der Geschichte insgesamt nicht überzeugt. Sie beginnt sehr realitätsnah, geht dann aber rasch und vor allem nahtlos in die Gewissheit über, dass Hexerei auch heute noch weit verbreitet ist und ein bestehender Hexenclan zu der Machart des mysteriösen Quilts befragt werden könnte, da dieser Quilt offenbar mit einer Art Zauber belegt wurde. Mit der Magie, die eigentlich viel sorgfältiger in das Buch eingearbeitet hätte werden sollen, wird sorglos umgegangen, was für mich den Anreiz zerstört hat, dieses Buch gespannt weiterzulesen. Tatsächlich wollte ich am Ende bloß noch wissen, ob ich denn mit meiner Theorie Recht hatte, was ich ja innerhalb von ein paar Seiten überprüfen konnte. Zwar hat Michaels am Ende noch einen winzigen Dreher eingebaut, der die Spannung wohl noch länger aufrechterhalten und für eine Überraschung sorgen soll, doch nach zwei Sekunden ist der Effekt dahin. Ich war so enttäuscht von dem schnellen Ende, dass ich auch den Ausgang nicht mehr wirklich würdigen konnte. Auch der historische Aspekt des Buches ist völlig untergegangen, so dass ich leider sagen muss, dass die Geschichte um Rachel und diesen Quilt in keinster Weise meine Erwartungen erfüllt hat. Bis jetzt das schlechteste Buch,das ich in diesem Jahr gelesen habe.

(Ich spiele mit dem Gedanken, auch auf meinem Blog Wertungen in Form von Sternen oder Ähnlichem vorzunehmen. Kann mir jemand sagen,wie ich das mache, gibt es dafür vielleicht eine Extrafunktion?)

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Thomas Mann – Doktor Faustus

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Inhalt: Doktor Faustus handelt von dem deutschen Tonsetzer Adrian Leverkühn, der am Ende des neunzehnten und Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebte und dessen Geschichte von seinem besten Freund Serenus Zeitblom niedergeschrieben wird. Der Leser erlebt fast ausschließlich die Perspektive Zeitbloms, der über sein Leben mit seinem Freund berichtet und sich dabei rückblickend alles von der Seele schreibt, was ihn schon zu der Zeit, als noch beide am Leben waren, beschäftigte. Dabei weicht er mehr als einmal vom eigentlichen Ziel des Textes ab, entschuldigt sich dafür aber auch bei seinen Lesern. Leverkühn führte ein Leben als begnadeter Musiker, der es sich zum Ziel gesetzt hat, eine neue Art von Musik zu erschaffen, angelehnt an Arnold Schönbergs Zwölftonmusik (die, in einem Satz zusammengefasst, besagt, dass alle 12 Töne einer Tonleiter in Stücken gleichwertig behandelt werden sollen und nicht denen der Vorzug gegeben soll,die zusammen Harmonien ergeben). Um seinen eigenen hohen Maßstäben gerecht zu werden, verbündet er sich sogar mit höheren Mächten und lässt zu, dass diese sein Leben übernehmen, was Rückschlüsse auf den Faust-Stoff von J.W.v.Goethe zulässt. Am Ende schließlich versammelt Leverkühn alle seine Freunde um sich herum, um ihnen zu berichten, was mit seinem Körper und Geist geschehen ist; etwas, worauf sich zuvor kaum jemand einen Reim machen konnte – auch Zeitblom nicht, der zu dem Zeitpunkt des Erlebens unwissend war, aber bereits über alles im Bilde ist, als er die Geschichte seines Freundes aufschreibt.

Amhranai meint: Ich habe dieses Buch im Rahmen eines Uni-Seminares, das von Germanisten und Musikwissenschaftlern zusammen besucht wird, gelesen. Gewählt habe ich das Seminar in erster Linie,wei ich die Beschreibung des Buches (das mir zuvor noch nie in die Finger gekommen ist), die stark auf die Musik im zwanzigsten Jahrhundert abzielt, interessant fand und mich damit auseinandersetzen wollte. Ich suchte: einen Roman über einen fiktiven Künstler, der sich mit dem beschäftigt, was auch mich enorm interessiert, nämlich mit der Musik. Ich fand: einen komplizierten 700-Seiten-Wälzer mit der Geschichte eines Mannes, der seine Seele an den Teufel verkauft, um musikalisch erfolgreicher zu sein, obwohl er letztlich daran zugrunde geht; erzählt von seinem besten Freund, der -obgleich er nur bei einer begrenzten Anzahl von Szenen tatsächlich anwesend war- über alles Bescheid weiß und den Leser als allwissender Erzähler, der gelegentlich vom Thema abschweift, mit den Höhen und Tiefen des Lebens seines besten Freundes konfrontiert.  Eingerahmt wird diese Geschichte von umfassender Musiktheorie über verschiedene Ansätze des zwanzigsten Jahrhunderts, die sogar mir manchmal zu komplex waren (nun habe ich auch keine Musikwissenschaft studiert, sondern interessiere mich „nur“ privat dafür), und historischen Bezügen, wie dem zu dem Faust-Stoff. Wenn es einen umfangreichen Roman gibt, den ich im vergangenen Jahr gelesen habe, dann ist es dieser hier.

Zeitbloms Schilderungen geben Rätsel auf. Er schreibt die Geschichte seines Freundes Adrian Leverkühn Jahre nach seinem Tod auf und berichtet dabei so detailliert über Ereignisse aus ihrer gemeinsamen Jugend wie über Dinge, die vor kurzer Zeit geschehen sind. Dabei mimt er stets den allwissenden Erzähler, was in einigen Situationen authentisch erscheint, manchmal aber schlichtweg nicht überzeugen kann. Nicht nur müsste man über ein phänomenales Gedächtnis verfügen, um sich Unterhaltungen über Belanglosigkeiten wortwörtlich über Jahrzehnte hinweg zu merken, auch ist er bei einigen Geschehnissen ganz einfach nicht zugegen, wodurch sich dem Leser die Frage stellt, wie er zu diesen Berichten stammt. Allein die Erzählerperspektive hat in unserem Seminar (was aktuell läuft, sodass ich theoretisch jede Woche meine Erkenntnisse hier ergänzen könnte 😉 ) eine ganze Sitzung beansprucht und für eine interessante Diskussion zwischen den beiden Seminarsleiterinnen -eine Germanistin, eine Musikwissenschaftlerin- gesorgt. Wie ist es Zeitblom möglich, so detailliert niederzuschreiben, was vor vielen Jahren geschah? Zudem sollte man das,was er schreibt, nicht als gegeben hinnehmen, da er schließlich in diese Jahre involviert war und somit nicht objektiv berichten kann. Er tritt gewissermaßen zweimal auf: einmal als erlebende Instanz um die Jahrhundertwende und einmal als erzählende Instanz, zur Zeit des zweiten Weltkrieges (in etwa zu der Zeit, als Thomas Mann diesen Roman im Exil schrieb).

Man könnte ganze Abhandlungen über diesen Roman verfassen, dies war nur ein kleiner Einblick in den Umfang und den Aufbau dieses Werkes. Wer sich damit befassen möchte, sei gewarnt vor der Menge an Musiktheorie, aber auch vor der Komplexität des Inhaltes. Dennoch ist Doktor Faustus meiner Meinung nach ein interessantes Buch, das es wert ist, gelesen zu werden. Man braucht nur eben einiges an Zeit und gute Nerven dafür.