Thomas Mann – Doktor Faustus

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Inhalt: Doktor Faustus handelt von dem deutschen Tonsetzer Adrian Leverkühn, der am Ende des neunzehnten und Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebte und dessen Geschichte von seinem besten Freund Serenus Zeitblom niedergeschrieben wird. Der Leser erlebt fast ausschließlich die Perspektive Zeitbloms, der über sein Leben mit seinem Freund berichtet und sich dabei rückblickend alles von der Seele schreibt, was ihn schon zu der Zeit, als noch beide am Leben waren, beschäftigte. Dabei weicht er mehr als einmal vom eigentlichen Ziel des Textes ab, entschuldigt sich dafür aber auch bei seinen Lesern. Leverkühn führte ein Leben als begnadeter Musiker, der es sich zum Ziel gesetzt hat, eine neue Art von Musik zu erschaffen, angelehnt an Arnold Schönbergs Zwölftonmusik (die, in einem Satz zusammengefasst, besagt, dass alle 12 Töne einer Tonleiter in Stücken gleichwertig behandelt werden sollen und nicht denen der Vorzug gegeben soll,die zusammen Harmonien ergeben). Um seinen eigenen hohen Maßstäben gerecht zu werden, verbündet er sich sogar mit höheren Mächten und lässt zu, dass diese sein Leben übernehmen, was Rückschlüsse auf den Faust-Stoff von J.W.v.Goethe zulässt. Am Ende schließlich versammelt Leverkühn alle seine Freunde um sich herum, um ihnen zu berichten, was mit seinem Körper und Geist geschehen ist; etwas, worauf sich zuvor kaum jemand einen Reim machen konnte – auch Zeitblom nicht, der zu dem Zeitpunkt des Erlebens unwissend war, aber bereits über alles im Bilde ist, als er die Geschichte seines Freundes aufschreibt.

Amhranai meint: Ich habe dieses Buch im Rahmen eines Uni-Seminares, das von Germanisten und Musikwissenschaftlern zusammen besucht wird, gelesen. Gewählt habe ich das Seminar in erster Linie,wei ich die Beschreibung des Buches (das mir zuvor noch nie in die Finger gekommen ist), die stark auf die Musik im zwanzigsten Jahrhundert abzielt, interessant fand und mich damit auseinandersetzen wollte. Ich suchte: einen Roman über einen fiktiven Künstler, der sich mit dem beschäftigt, was auch mich enorm interessiert, nämlich mit der Musik. Ich fand: einen komplizierten 700-Seiten-Wälzer mit der Geschichte eines Mannes, der seine Seele an den Teufel verkauft, um musikalisch erfolgreicher zu sein, obwohl er letztlich daran zugrunde geht; erzählt von seinem besten Freund, der -obgleich er nur bei einer begrenzten Anzahl von Szenen tatsächlich anwesend war- über alles Bescheid weiß und den Leser als allwissender Erzähler, der gelegentlich vom Thema abschweift, mit den Höhen und Tiefen des Lebens seines besten Freundes konfrontiert.  Eingerahmt wird diese Geschichte von umfassender Musiktheorie über verschiedene Ansätze des zwanzigsten Jahrhunderts, die sogar mir manchmal zu komplex waren (nun habe ich auch keine Musikwissenschaft studiert, sondern interessiere mich „nur“ privat dafür), und historischen Bezügen, wie dem zu dem Faust-Stoff. Wenn es einen umfangreichen Roman gibt, den ich im vergangenen Jahr gelesen habe, dann ist es dieser hier.

Zeitbloms Schilderungen geben Rätsel auf. Er schreibt die Geschichte seines Freundes Adrian Leverkühn Jahre nach seinem Tod auf und berichtet dabei so detailliert über Ereignisse aus ihrer gemeinsamen Jugend wie über Dinge, die vor kurzer Zeit geschehen sind. Dabei mimt er stets den allwissenden Erzähler, was in einigen Situationen authentisch erscheint, manchmal aber schlichtweg nicht überzeugen kann. Nicht nur müsste man über ein phänomenales Gedächtnis verfügen, um sich Unterhaltungen über Belanglosigkeiten wortwörtlich über Jahrzehnte hinweg zu merken, auch ist er bei einigen Geschehnissen ganz einfach nicht zugegen, wodurch sich dem Leser die Frage stellt, wie er zu diesen Berichten stammt. Allein die Erzählerperspektive hat in unserem Seminar (was aktuell läuft, sodass ich theoretisch jede Woche meine Erkenntnisse hier ergänzen könnte 😉 ) eine ganze Sitzung beansprucht und für eine interessante Diskussion zwischen den beiden Seminarsleiterinnen -eine Germanistin, eine Musikwissenschaftlerin- gesorgt. Wie ist es Zeitblom möglich, so detailliert niederzuschreiben, was vor vielen Jahren geschah? Zudem sollte man das,was er schreibt, nicht als gegeben hinnehmen, da er schließlich in diese Jahre involviert war und somit nicht objektiv berichten kann. Er tritt gewissermaßen zweimal auf: einmal als erlebende Instanz um die Jahrhundertwende und einmal als erzählende Instanz, zur Zeit des zweiten Weltkrieges (in etwa zu der Zeit, als Thomas Mann diesen Roman im Exil schrieb).

Man könnte ganze Abhandlungen über diesen Roman verfassen, dies war nur ein kleiner Einblick in den Umfang und den Aufbau dieses Werkes. Wer sich damit befassen möchte, sei gewarnt vor der Menge an Musiktheorie, aber auch vor der Komplexität des Inhaltes. Dennoch ist Doktor Faustus meiner Meinung nach ein interessantes Buch, das es wert ist, gelesen zu werden. Man braucht nur eben einiges an Zeit und gute Nerven dafür.

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2 Kommentare zu „Thomas Mann – Doktor Faustus

    Therry sagte:
    April 28, 2012 um 5:46 pm

    Ich hab bei Thomas Mann immer früher oder später aufgegeben xD d’oooh…

      amhránaí geantwortet:
      April 29, 2012 um 12:42 pm

      Da ich das Buch ja für die Uni lesen MUSSTE, gab es dieses Mal leider keinen Weg an ihm vorbei… Buddenbrooks habe ich auch nach 4 Seiten weggelegt.

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