Monat: Februar 2012

H.G.Wells – The Time Machine

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Inhalt: The Time Machine von H.G.Wells ist eine Erzählung, die sich einem Phänomen beschäftigt, was schon oft medial verarbeitet wurde – das Reisen durch die Zeit. Der Erzähler, der nur „The Time Traveller“ genannt wird, schafft es, mit einer selbst gebauten Maschine durch die Zeit in die ferne Zukunft zu reisen und entdeckt dort völlig neue Seiten der Menschheit. Glaubt er zunächst noch daran, dass ihn dort technisch fortgeschrittene Wesen erwarten, die ihm, was Wissen und Entwicklung angeht, weit voraus sind, so wird er eines Besseren belehrt, als er die Eloi trifft. Diese sind ein Volk von zauberhaften Wesen, die nichts mit dem gemein zu haben scheinen, was wir heute unter Menschheit verstehen. Gleichzeitig wird er aber auch mit den Schattenseiten des Menschseins, verkörpert durch die Yeti-ähnlichen Morlocks konfrontiert. Im entscheidenden Moment, als er aus der Zukunft wieder in die Gegenwart flüchten will, ist seine Zeitmaschine verschwunden.

 

Amhranai meint: Mein Leseverhalten bei diesem Buch war sehr stark davon geprägt, dass ich den Film dazu gesehen habe, der von 1960 stammt und somit zwar rund 65 Jahre jünger ist als seine literarische Vorlage, aber dennoch mittlerweile zu den Oldies zählt. Da ich durch den Film schon bestimmte Bilder im Kopf hatte – nicht nur,was das Aussehen der Eloi und der Morlocks angeht, sondern auch die gesamte Gestaltung der Welt, in der sie leben, konnte meine Fantasie sich hier nicht richtig entfalten. Dies lag zum Teil aber auch an den langatmigen Beschreibungen, die der Erzähler hier einfließen lässt.

Der Großteil der Geschichte besteht daraus, dass der Zeitreisende (The Time Traveller) einigen Bekannten erzählt, was geschehen ist, als er die Reise in die Zukunft gewagt hat. Die Erzählung wirkt jedoch überwiegend nicht wie eine solche, sondern mehr wie eine vorbereitete Rede, was angesichts der Tatsache, dass er soeben knapp dem Tode entronnen ist und mit letzter Kraft nach Hause gekommen ist, ein wenig unglaubwürdig scheint. Selbstverständlich erleichtert es das Leseverständnis, wenn der Inhalt am Stück dargestellt wird, doch damit wirkt es für mich nicht mehr so, wie es eigentlich gedacht war, nämlich als Erzählung eines Mannes, der das Unfassbare erlebt hat. Insbesondere die Details, die er schildert und die Genauigkeit, mit der er die faszinierenden Wesen beschreibt und analysiert, denen er begegnet ist, bestärken den Eindruck. Dennoch ist es eine beeindruckende Schilderung einer Welt, die wir nicht kennen und die wir wohl auch nicht kennen lernen. Wells vereint sowohl gute als auch negative Eigenschaften der Menschen in den Wesen, die der Zeitreisende trifft – die Eloi genießen jeden Tag und kennen weder Hierarchie noch Machtkämpfe, Streit und Ärger, während die grauenvollen Morlocks das genaue Gegenteil verkörpern. Die Ausgefeiltheit, mit der das Buch verfasst wurde, ist beeindruckend, zweifellos.

In vielen Punkten bin ich versucht, etwas zu schildern, was zwar im Film dargestellt wurde, aber so nicht im Buch vorkam, da es schwer ist, dort eine genaue Grenze zu ziehen. Müsste ich Buch und Film einem direkten Vergleich unterziehen und eine Rangfolge vergeben,w ürde ich den Film präferieren – insbesondere durch den bereits erwähnten Verlust an Glaubwürdigkeit. Schade eigentlich, von dem Buch hatte ich mir mehr erwartet. Aber vielleicht liegt dies auch daran, dass ich schon voreingenommen war und der niedergeschriebenen Geschichte nicht mehr völlig frei begegnen konnte.

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Lisa Tucker – Song Reader

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Inhalt: Die zwei Schwestern Mary Beth und Leeann leben gemeinsam mit einem von Mary Beth adoptierten Kleinkind namens Tommy in einer kleinen Stadt in den USA. Nachdem ihr Vater sie vor vielen Jahren verlassen hat, verloren sie vor kurzem auch ihre Mutter bei einem Verkehrsunfall, so dass sie nun auf sich selbst gestellt sind. Mary Beth stellt bald fest, dass herkömmliche Berufe nicht ihren Fähigkeiten entsprechen und so macht sie sich als Song Reader selbstständig. Ihre Kundinnen kommen zu ihr in der Hoffnung, dass Mary Beth ihr Leben verändern kann, indem sie sich mit den Songs auseinandersetzt, die ihre Kundinnen beschäftigen. Dafür werden detaillierte Charts angelegt, die beinhalten, welche Songs mit welchen eventuellen Textveränderungen im Kopf der Kundinnen herumspuken und auch, welche Emotionen diese hervorrufen. Daraus leitet Mary Beth wesentliche Lebensentscheidungen oder auch Blockaden ab, wobei sie tatkräftig von ihrer deutlich jüngeren Schwester unterstützt wird. Eines Tages jedoch verkehrt sich eine ihrer Prophezeiungen ins Negative und Mary Beth fällt in ein tiefes Loch, aus dem sie alleine nicht mehr herauszukommen scheint. Leeann ist mit der Situation völlig überfordert, zumal sie sich neben der Schule und ihrer mit einem Mal depressiven Schwester auch noch um den kleinen Tommy kümmern muss, obwohl sie selbst noch mitten in der Pubertät steckt. Und so trifft sie eine folgenschwere Entscheidung.

Amhranai meint: Dass die Songs,die uns allen im Kopf herumgehen, eine Bedeutung haben und nicht nur aus purem Zufall dort sind, ist eine Idee, die mir sehr gut gefällt und die mich letztlich auch dazu gebracht hat, dieses Buch zu kaufen. Schon den Titel fand ich sehr ansprechend und ich war neugierig, was es mit dieser Wissenschaft auf sich hatte. In der ersten Hälfte des Buches basiert der Großteil der Handlung noch auf Mary Beths Beruf, während er in der zweiten technisch gesehen stark in den Hintergrund rückt.Nach wie vor ist er als Auslöser für vieles von dem anzusehen, was passiert, aber er spielt zur gleichen Zeit kaum noch eine Rolle. Stattdessen werden zwei familiäre Tragödien in den Mittelpunkt gerückt – zum Einen die um Mary Beth und Leeann, die immer wieder mit Rückblenden und Gedanken an die Vergangenheit dargestellt wird, zum Anderen die, die Mary Beth so erschüttert. Insbesondere die Problematik in den familiären Beziehungen zwischen den Mädchen und ihren Eltern wird sehr stark ausgearbeitet und wird ganz offensichtlich als Aufhänger dafür genutzt, die Charaktere deutlicher darzustellen. Leider wirken die Charaktere zum Teil überzogen und nur bedingt glaubwürdig, so dass für mich schon dort ein großer Teil des Zaubers verloren ging.Die diversen Nebenfiguren sind zum Teil verwirrend und bremsen den Verlauf der Geschichte mehr, als dass sie ihn fördern.

Insgesamt hat mir das Buch zwar ganz gut gefallen, aber auch durch meine Ansprüche, die ich von vornherein in die Geschichte gelegt habe, war dies ein teils eher enttäuschendes Leseerlebnis. Vermutlich hätte ich bedenken sollen, dass dies immer noch ein Roman ist und keine musikwissenschaftliche Studie. Hätte ich das berücksichtigt, wäre ich vielleicht mit einer anderen Einstellung daran gegangen und hätte nicht die gesamte Handlung über darauf gewartet, dass man noch mehr über die Tätigkeit eines Song Readers erfährt.

[Song of the Week] Martin Carbow – He is always close to you

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Ich gestehe, dass ich diese Kategorie ein paar Wochen schändlich vernachlässigt habe. Zwar schwirrten mir oft Songs durch den Kopf, aber nur selten konnten sie sich so hartnäckig in meinem Kopf festsetzen, dass ich auch noch abends an sie gedacht habe und mich hinsetzen konnte, um einen Blogartikel darüber zu schreiben. Dies ist jetzt anders geworden.

He is always close to you ist ein wunderschöner Song, der von der Nähe zu Gott handelt. Zwar bin ich nicht sehr gläubig, aber dennoch gibt mir dieser Song eine Menge Kraft. Die Melodie ist einschmeichelnd und verbindet sich mit dem Text zu einem wirklich schönen Ganzen. Es geht darum, dass Er immer in der Nähe ist und sich nie weit entfernt, wenn man ihn braucht. Ein Gedanke, den man vielleicht auch auf andere Menschen übertragen kann, so dass er sich für noch mehr Menschen öffnet. Erschienen ist das Lied auf der CD A Capella & More von Martin Carbow -der viele der darauf vertretenen Songs selbst geschrieben und die anderen umarrangiert hat, so dass sie jetzt in völlig neuem Gewand daherkommen-, die auf seiner Homepage bestellt werden kann. Mitwirkende Künstler bei diesem Lied (und auch anderen auf der CD) sind unter Anderem Regy Clasen (Sologesang) und Steffi Hundertmark. Eine mehr als empfehlenswerte CD mit einem Lied, das für mich zu den schönsten zählt, die ich seit langem gehört habe. (Reinhören in die „Original-Version“ kann man auch auf Martins Myspace-Seite)Hier habe ich eine Chorversion für euch, um euch einen Eindruck zu verschaffen.

Mini-SuB #1

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Einer Idee folgend, die ich auf Buchstabenträume entdeckt habe, starte ich jetzt hier meine eigene Reihe von Mini-SuBs. (SuB = Stapel ungelesener Bücher) Da sich selbiger bei mir momentan auf eine ziemlich hohe, wenn auch immerhin noch zweistellige, Zahl beläuft und ich mich immer dann, wenn ich ein Buch beendet habe, nicht für das Nächste entscheiden kann, gefiel mir das Konzept des Mini-SuBs sehr. Dieses ist eigentlich ganz simpel: Man nimmt sich eine Handvoll Bücher, bestimmt diese als die als nächstes zu lesenden Exemplare und hat damit eine deutlich kleinere Auswahl. Das spart Zeit und Nerven!

Mein erster Mini-SuB besteht nur noch aus vier Büchern, da ich das erste schon abgearbeitet habe (siehe meine Rezension zu Vogelherz). Es wäre toll, wenn ich sowohl mein aktuelles Buch, Song Reader, als auch das Reclam-Buch The Time Machine noch vor Ende des Monats fertig bekommen würde, nicht nur, weil ich sonst bei der „I’m in English“ Challenge für diesen Monat hinterherhinken würde 😉 Weiter geht es bei mir also mit folgenden Büchern:

Von oben nach unten:

H.G. Wells – The Time Machine

Lisa Tucker – Song Reader (lese ich gerade)

Birgit Vanderbeke – Die sonderbare Karriere der Frau Choi

J.R.R. Tolkien – Der kleine Hobbit

Meine selbsternannten Regeln für die Mini-SuBs sind dabei die Folgenden:

– Ein englisches Buch pro SuB

– ein „Klassiker“ (d.h. seriöses Buch)

– 2-3 andere Bücher, Auswahl beliebig

[Reread] Barbara Erskine – Der Fluch von Belheddon Hall

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Inhalt: Die junge Mutter Jocelyn Grant (kurz Joss) hat alles in ihrem Leben, was sie sich wünschen kann. Einen sie liebenden Ehemann, einen bezaubernden kleinen Sohn und liebevolle Eltern und eine Schwester, die ihr jederzeit zur Seite stehen. Doch seit ihr Sohn auf der Welt ist, stellt sie fest, dass doch etwas fehlt – die Beziehung zu ihrer Herkunft, zu ihren leiblichen Eltern. Denn Joss wurde als Baby adoptiert. Bisher hatte ihr dies nie etwas ausgemacht, aber ihr Sohn soll wissen, wo er eigentlich herkommt. Und so macht sie sich auf die Suche nach ihren wirklichen Eltern, die sie zu dem verlassenen Herrenhaus Belheddon Hall führt, ihrem neuen Zuhause. Entgegen der Warnungen ihrer Nachbarn, dass es dort spuken soll, zieht sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn dort ein, doch schon bald plagen sie erste Zweifel. Etwas ist dort in diesem Haus, etwas, dass ihr und ihrer Familie anscheinend Böses will. Joss gerät in immer größere Schwierigkeiten und weiß schon bald nicht mehr, ob sie nicht langsam verrückt wird. Kann der Fluch, der ihre Familie seit vielen Jahrhunderten verfolgt, gebrochen werden?

Amhranai meint: Barbara Erskine und speziell dieses Buch wurden mir von jemandem empfohlen, der meine Lesegewohnheiten ziemlich gut kennt, weswegen ich ziemlich blind auf diesen Vorschlag vertraut habe und mir auf gut Glück den Fluch von Belheddon Hall bestellt habe. Und ich muss sagen, dass ich das keine Sekunde lang bereut habe, denn mittlerweile zählt Barbara Erskine zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen und ich habe schon eine Handvoll Bücher von ihr durchgelesen. Die Geschichte von Joss, ihrem Mann Luke und ihrem Sohn Tom ist mitreißend und fesselnd bis zur letzten Sekunde. Immer dann, wenn man meint, wieder den Überblick gewonnen zu haben und zu wissen, was gerade geschieht, passiert etwas Neues, Unvorhergesehenes, das alles wieder umwirft und den Leser erneut in seinen Bann zieht. Nicht nur Joss zweifelt zwischenzeitlich an sich, auch ich habe es mehrmals getan und war mir nicht mehr sicher, inwieweit man ihrer Wahrnehmung trauen kann. Obwohl das Buch in der dritten Person erzählt wird, liegt der Fokus doch ganz deutlich auf Joss, so dass man in erster Linie mit ihren Gedanken und Handlungen konfrontiert wird. Zwischendurch wird man immer wieder in eine lang zurückliegende Welt entführt, in der alles Übel begann. Joss erlebt diese Rückblenden teilweise wie Träume, teilweise auch bei vollem Bewusstsein, man wird jedoch nie aufgeklärt, was es wirklich damit auf sich hat. Ein Freund von Joss, der Geschichtslehrer ist und somit mit der Vergangenheit des Hauses vertraut ist, bringt stückweise Licht ins Dunkel und fördert Dinge zutage, die besser im Verborgenen geblieben wären. Doch letztlich liegt es an Joss, zu verhindern, dass der Fluch ihre Familie vollends zerstört.

Ein absolut großartiges Buch, das ich jedem empfehlen möchte. Bisher hatte ich kaum Kontakt mit historischen Romanen, doch nach dieser Geschichte bin ich ein absoluter Fan davon, und speziell von Barbara Erskines Geschichten. An dieser Stelle nochmal ein liebes Dankeschön an die Person, die mir das Buch empfohlen hat und mich zu einem Suchti gemacht hat 😉

Clive Woodall – Vogelherz

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Inhalt: Das Buch Vogelherz handelt im Prinzip von einer Welt, die der unseren recht ähnlich ist, doch wird sie aus einer anderen Perspektive beschrieben – nämlich aus der eines kleinen Rotkehlchens namens Kirrick, das sich verzweifelt darum bemüht, seine Welt zu retten. Seit die grausamen Elstern unter der Herrschaft von Slyekin nach und nach jede einzelne Vogelart ausrotten, geht es für den kleinen Vogel um das nackte Überleben. Im Kampf gegen das Böse wächst er über sich hinaus und schafft es, weise und mächtige Tiere als Verbündete zu gewinnen. Im zweiten Teil wird die Geschichte von Vogelland weiter erzählt, es tauchen neue Bedrohungen auf, denen sich die Vogelwelt stellen muss. Eine finstere Elster hat es sich in den Kopf gesetzt, alle Überlebenden des großen Kampfes von damals zu vernichten und sich an dem Rotkehlchen zu rächen, was ihm so oft entwischt war. Erneut müssen alle Kräfte mobilisiert werden, um das Böse abzuwenden, wozu sogar Grenzen überschritten werden, die lange Zeit als unpassierbar galten.

Amhranai meint: Vogelherz ist ein Buch, was ich mir schon vor geraumer Zeit gekauft habe und das dann lange auf meinem SuB lag. Schließlich habe ich es doch zur Hand genommen, um es dann in einem Rutsch durchzulesen. Der erste Teil des Buches ist spannend geschrieben, man kann sich gut in die Lage des kleinen Rotkehlchens versetzen, auf dessen Schultern/Flügeln eine riesengroße Verantwortung liegt. Als er eine Begleitung für seine gefährliche Aufgabe findet und es nach und nach schafft, die umliegenden Vogelvölker zu alarmieren, hofft man als Leser auf einen schnellen Erfolg und auf ein glückliches Ende für Vogelland. Umso erschreckender ist das Ende des ersten Teils, das alles Andere als zufriedenstellend ist. Dann geht es aber mit einem zweiten Teil weiter, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte! In meinem Lesefluss war ich so gefangen, dass ich zwar erstaunt war, als nach der Hälfte des Buches die Geschichte zu Ende schien, aber ich hatte trotzdem nicht gedacht, dass ein zweiter Teil folgen würde. Dieser ließ dann für mich auch in der Spannung und teilweise auch in der Authenzität nach, so dass hier meine Begeisterung etwas gedämpft wurde. Zusätzlich fließen besonders in diesem Teil einige recht brutale und grausame Szenen ein, die auch dementsprechend beschrieben werden. Danke,aber ich wollte nicht wissen,wie ein Vogel im Detail auseinandergenommen wird… für Leser mit schwachem Magen nicht zu empfehlen,auch wenn es hier sich um Vögel handelt (oder gerade deswegen?), macht das die Sache nicht besser.

Die Idee, die Welt aus der Sicht eines kleinen Vogels zu beschreiben, ist sehr schön und auch weitestgehend sehr überzeugend umgesetzt. Nicht nur für Vogelfans ist das Buch wirklich zu empfehlen – auch wenn man sich zwischendurch kurz die Augen zuhalten möchte, damit einige blutige Details verschleiert bleiben… Und Achtung: es gibt einen zweiten Teil! 😉