Monat: Januar 2012

Theodor Fontane – Mathilde Möhring

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Inhalt:

Mathilde Möhring ist ein kurzer Roman des Schriftstellers Theodor Fontane und handelt von der jungen Berlinerin Mathilde Möhring, die aus armen Familienverhältnissen stammt und versucht, sich in der Gesellschaft emporzukämpfen. Dies gelingt ihr größtenteils auch durch die Heirat mit dem Student Hugo Großmann, der dank Mathildes Disziplin und ihrem Drang, dass er doch sein Studium abschließen solle, bald in der Politik Fuß fasst und ihnen beiden zu hohem Ansehen verhilft. Ein Schicksalsschlag treibt Mathilde am Ende des Buches wieder zurück in ihre Heimat, wo sie beschließt, Lehrerin zu werden.

Amhranai meint:

Wenn man einen Klassiker rezensiert und sagt, dass man davon nicht besonders angetan war, hat man ja oft das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Schließlich zählt auch dieses Buch zu Literaturoldies, wenn man sie so nennen will, und sollte eigentlich durch seinen Tiefgang und seine außergewöhnliche Geschichte fesseln. Für mich waren diese gut 100 Seiten schon genug. Die Berlinerin Mathilde Möhring (bei deren Nachnamen ich jedes Mal Assoziationen hatte, die nichts mit dem Thema zu tun haben) lebt gemeinsam mit ihrer armen Mutter in einer kleinen Wohnung und verdient sich ihr Geld dadurch, dass sie das freie Zimmer in der Wohnung vermieten. Eines Tages taucht der Student Hugo Großmann dort auf und scheint recht interessiert. Dennoch sagt er nicht direkt zu, sondern bittet um Bedenkzeit und verschwindet wieder. Während die naive Mutter glaubt, den potenziellen Mieter verloren zu haben, öffnet ihre gebildete Tochter ihr die Augen und teilt ihr mit, dass er sich selbstverständlich längst für sie entschieden hat und nur, um sein Ansehen zu wahren, diese kurze Frist einhalten will. Diese Fähigkeit, absolut alles über jeden zu wissen zu glauben, zieht sich durch das gesamte Buch und ist hin und wieder ziemlich anstrengend, weil sie weit über den gesunden Menschenverstand hinausgeht. Sie mischt sich mit Mathildes naiver Sicht, dass Hugo Großmann ein durch und durch guter Mensch sei, dessen Fehler ein weiterer Ausdruck seines wunderbaren Wesens seien. Ein Beispiel: Großmann diskriminiert die arme Haushälterin der Möhrings, Runtschen, und möchte sie nicht mit sich in einem Raum haben. Während Mutter Möhring sich echauffiert, versucht Mathilde sie damit zu beschwichtigen, dass Großmann eben nur Augen für das Schöne habe und hässliche Menschen nicht ausstehen könne. Und wer das Schöne bevorzuge, bevorzuge auch das Gute, während der, der sich auch dem Hässlichen zuwendet, vom Bösen angetan ist. Diese Einstellung Mathildes ist mitunter sehr anstrengend. Zu den Verhältnissen, wie sie heute vielleicht auch nur noch teilweise nachvollzogen werden können, gesellt sich die Sprache Fontanes, die einige Male für Holperer im Text sorgt. In meiner Fassung werden zusätzlich noch Worte, die im Originaltext anscheinend nicht vorhanden waren (ich gestehe, dass ich mir nicht den gesamten Anhang durchgelesen habe, da dieser etwa genauso lang ist wie das Buch selber), in Klammern ergänzt wurden. Dies dient der historischen Korrektheit, stört aber den Lesefluss massiv, der ja ohnehin bereits eingeschränkt war.

Erstaunt hat mich die außergewöhnlich nüchterne Sprache Fontanes – gerade im Vergleich zu Effi Briest, wo viele Sätze eine halbe Seite in Anspruch nahmen,weil sie die Umgebung und Ähnliches in kleinsten Details darstellten, wirken die Beschreibungen hier recht kurz und knapp. Mag sein, dass ich durch Effi ein falsches Bild von Fontanes Schreibstil in meinem Kopf hatte, aber in meinen Gedanken stand Fontane für diese unheimlich ausufernde Sprache, die mir hier fehlte. Vielleicht hätte sie die Kühle wieder wettgemacht, die Mathilde ausstrahlt und die mich immer wieder zu kurzen Lesepausen gezwungen haben, weil ich dringend wieder ein wenig Sonne in mein Herz lassen musste.

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Oscar Wilde – Das Bildnis des Dorian Gray

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Inhalt:

Im neunzehnten Jahrhundert lebt in England ein junger Mann namens Dorian Grey, der den Begriff der Schönheit verkörpert. Sein Äußeres ist absolut makellos, auch sein Wesen ist unbefleckt und von Grund auf gut und rein. Die Begegnung mit seinem zukünftigen Wegbegleiter Lord Henry Wotton verändert sein Leben von Grund auf: Wotton erklärt ihm, dass er bis jetzt noch gar nicht gelebt habe und damit beginnen solle, solange er noch so jung und schön ist. Dorian Grey nimmt sich diese Worte sehr zu Herzen, ist er sich durch erst durch Wotton seiner Schönheit und der Vergänglichkeit eben dieser bewusst geworden. Das von seinem Künstlerfreund Basil Hallward angefertige Portrait von ihm scheint ihn tagein, tagaus zu verspotten und ihm zu zeigen, dass es auch noch in vielen Jahren so makellos schön sein wird, er hingegen alt werden wird. Voller Verzweiflung betet er, dass die Zeichen der Zeit nicht ihn, sondern das ihn zeigende Gemälde treffen mögen, um sein Leben und sein Äußeres so rein zu halten, wie es vor dem Aufeinandertreffen mit Wotton war. Sein Wille geschieht und anstatt seines Gesichts verändert sich immer nur sein Gemälde, weist jedoch nicht nur Zeichen des Alters auf, sondern auch Wandlungen in seinem gesamten Leben. Dorian Grey genießt das Leben, lässt nichts unversucht, um die absolute Erfüllung zu erfahren und zerstört sich innerlich selbst. Doch als er dies erkennt, scheint es bereits zu spät zu sein.

Amhranai meint:

Dieses Buch ist wirklich eindrucksvoll, um es mit wenigen Worten auszudrücken. Am Anfang wird das Leben Dorian Greys als friedlich und schön beschrieben, bevor die Begegnung mit Henry Wotton ihn völlig aufwühlt und alles auf den Kopf stellt, was zuvor da gewesen war. Sein Leben verändert sich von Grund auf, mehrere Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen machen ihn zu einem völlig anderen Wesen. Dabei bleibt sein Äußeres verschont und makellos, das Gemälde dagegen zeigt seine Grausamkeit. Dieser Aspekt des Buches ist der einzige, der wirklich nicht realistisch scheint. Alles andere ist -zumindest größtenteils – vertretbar und könnte durchaus so vorgekommen sein. Dorian Grey wird uns als ein Mensch vorgestellt, der noch nicht weiß, was es wirklich heißt, zu leben und der von Henry Wotton auf den vermeintlich richtigen Pfad gebracht wird. Wotton wirkt hier nicht als eine Vaterfigur, sondern eher als ein älterer Freund, der Grey mit psychologischen Reden und Vorschlägen überhäuft. Er ist es, der in Grey das Bedürfnis erweckt, sich zu ändern und viel mehr zu sehen als nur das, was sich ihm bis zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben erschlossen hat. Kaum den Kinderschuhen entwachsen, zieht Grey los, um das Leben zu entdecken. Eine Liebelei mit einer noch unbekannten Schauspielerin, die tragisch endet, ist erst der Anfang in seinem Weg, der ungefähr 20 Jahre dauern soll und in zwei großen Etappen von Wilde geschildert wird: zunächst die Anfangsphase, in der Grey ungefähr 20 Jahre alt ist, und dann die Ausmaße, die sein Lebenswandel angenommen hat. Als Überleitung dient eine Beschreibung dessen, was Grey alles entdeckt und womit er sich beschäftigt hat. Die Schilderungen reichen von verschiedenen Musikinstrumenten über Edelsteine bis hin zu literarischen Werken, wobei hier eine genaue Recherche Wildes deutlich wird. Die Präzision, mit der die unterschiedlichen Erfahrungen und ihre Inhalte dargestellt werden, reicht weit über eine simple Aufzählung hinaus. Auch sonst geizt das Buch nicht mit Details, der Gefühlszustand Greys wird viele Male zum Mittelpunkt des Geschehens. Obwohl Grey uns seine Geschichte nicht selbst erzählt (sondern uns diese in Form eines Er-Erzählers dargeboten wird), erfahren wir viel darüber, wie er sich fühlt und warum er so handelt, wie wir es sehen. Dabei erschließen sich dem Leser oft nur Bruchstücke seiner Gedankengänge, da sie von dem ungeheuren Hunger auf die Welt durchzogen sind und einem objektiven Außenstehenden gar nicht begreiflich gemacht werden können. Die Sehnsucht nach dem Leben und die Sehnsucht nach der ewigen Jugend berühren das gesamte Buch durch, und auch wenn man Grey hin und wieder gerne wachrütteln würde, um ihn zu bitten, nicht blind auf das zu vertrauen, was der ominöse Lord Wotton ihm sagt, sondern die Welt auf seine Weise zu entdecken und seine eigenen Werte beizubehalten, so fiebert man die gesamte Zeit mit ihm und wünscht ihm, dass er seine Erfüllung findet.

Ein wirklich fesselndes Buch, das mich nach anfänglichen Schwierigkeiten (die Sprache ist zum Teil etwas veraltet und die Charaktere haben verwirrende Spitznamen, beispielsweise wird Lord Henry gerne Harry genannt) bis zu seinem Ende nicht mehr losgelassen hat und mich auch noch im Nachhinein sehr beschäftigt. Wie weit kann man bei der Suche nach Erfüllung und Glück gehen, wo sind die Grenzen?

Terry Pratchett & Neil Gaiman – Good Omens

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Inhalt:

Nun ist es wirklich soweit – die Apokalypse steht in den Startlöchern, um alles auf der Welt zu vernichten. Und das schon ziemlich bald – am kommenden Samstag wird es soweit sein. Dies passt den beiden übermenschlichen Abgesandten Crowley und Aziraphale überhaupt nicht, denn schließlich haben sie sich nach den ersten paar tausend Jahren gerade erst richtig eingelebt und würden gerne noch eine Weile auf der Erde verbleiben. Damit diese nicht vorzeitig zerstört wird, müssen sie ihre Barrieren überwinden und zusammen arbeiten (was sie ohnehin schon seit vielen hundert Jahren tun, was bleibt einem auch übrig, wenn alle anderen um einen herum sterben, während man selbst für immer hier festsitzt), um den vor ein paar Jahren geborenen Antichristen (den Sohn von Satan) davor zu bewahren, seine Fähigkeiten zu entfalten und tatsächlich das Ende der Welt herbeizuführen. Der höllische Plan von Satan scheint perfekt: sein Sohn wird unmittelbar nach der Geburt mit dem neugeborenen Sohn eines amerikanischen Diplomaten (und seiner Frau 😉 ) ausgetauscht, so dass es in hoher Position aufwachsen kann und an einem geeigneten Zeitpunkt zuschlagen kann. Der Dämon Crowley und der frühere Engel Aziraphale wissen von dem Plan und sind daher auch darüber im Bilde, wen sie im Auge behalten müssen. Dumm nur, dass dies nicht die einzige Tauschaktion im Krankenhaus gewesen ist und alles etwas anders läuft, als sie sich das gedacht haben. Am Ende kommt es zu dem großen Kampf zwischen Gut und Böse.

Amhranai meint:

Schon eine auf dem Cover aufgedruckte Meinung trifft den Kern des Buches ganz genau – „The Apocalypse has never been funnier“, zu Deutsch: „Die Apokalypse war nie lustiger“. Das Buch, gemeinsam geschrieben von zwei der größten Fantasy-Autoren unserer Zeit, ist eine Sammlung von Geschehnissen, die dem Leser die Tränen in die Augen treiben – allerdings vor Lachen, nicht aus Traurigkeit über das Ende der Welt. Das steht wirklich erst am Ende des Buches bevor, zuvor geschehen allerdings schon eine Reihe merkwürdiger Ereignisse, die dem Leser manchmal unzusammenhängend erscheinen und in Anwesenheit immer wechselnder Personen passieren, so dass man kurzfristig den Überblick verlieren kann. Die Storyline jedoch hangelt sich immer an dem Dämon Anthony Crowley (benannt nach Aleister Crowley, bekannt als „the wickedest man in the world“) und dem Engel Aziraphale entlang und kann somit gut nachvollzogen werden. Ergänzt wird diese auch durch Blicke auf den Antichristen, der irgendwie nicht da ist, wo man ihn vermutet, und auf die Hexe Anathema Device, die gemeinsam mit einem Hexenjäger versucht, die Prophezeiungen zu rekonstruieren, die ihre Ahnin Agnes Nutter einst über das Ende der Welt gemacht hat. Diese Prophezeiungen sind die einzigen, die absolut immer zutreffend sind und können somit die Apokalypse verhindern. Wenn das Buch, das sie enthält, nicht abhanden gekommen wäre….

Allein der Inhalt des Buches, grob beschrieben, reicht für die ersten Lacher. Wenn man sich jedoch wirklich hinsetzt und dieses Buch liest, ist es schwierig, eine ernste Miene zu behalten. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Charaktere und die verrückten Geschehnisse beschrieben werden, mag im ersten Moment noch absurd erscheinen, fügt sich dann aber perfekt in die Art und Weise des Buches ein. Zwar nimmt die Komik gegen Ende ab und entwickelt sich zeitweise zu einem „normal lustigen“ Buch, insgesamt jedoch ist dies ein fantastisches Buch, das uns in das einführt, was uns Ende des Jahres ja allen bevorsteht. 21.12.2012 und so. 😉

Jonathan Tropper – Sieben verdammt lange Tage

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Inhalt:

Die Familie Foxman ist eine von denen, die man immer gerne mit der eigenen Familie vergleicht, weil diese dagegen friedlich und harmonisch erscheint. Die vier Geschwister Wendy, Paul, Phillip und Judd führen jeweils teils erfolgreiche Leben, die aber auch immer einen sehr bösen Beigeschmack haben. Zusammen mit ihrer äußerst extrovertierten Mutter sind sie für sieben Tage an ihr Elternhaus gebunden, als Totenwache für ihren verstorbenen Vater. Innerhalb dieser sieben Tage kommen viele Erinnerungen hoch, doch auch Konflikte und Brandherde bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche, so dass diese Woche alles Andere als andächtig verläuft. Inmitten der vielen Besucher enthüllen sich Dinge, die eigentlich besser unter dem Mantel der Verschwiegenheit geblieben wären. Wie wird die Familie nach dieser Zeit auseinandergehen?

 

Amhranai meint:

Ich bin Ewigkeiten um dieses Buch herumgeschlichen, bevor ich mich dazu entschlossen habe, es doch zu kaufen. Das Thema, was behandelt wird, ist ein sehr ernstes und ich war sehr gespannt darauf, wie der Autor Jonathan Tropper dies umsetzen würde und aus welcher Perspektive die Geschichte erzählt werden würde. War eines der (erwachsenen) Kinder der Erzähler? Würde die Mutter als Erzählerin fungieren oder gar der Geist des Vaters aus dem Himmel? Alles Fragen, die sich schon schnell beantwortet hatten – Judd als zweitältester Sohn der Familie erzählt uns diese Geschichte, die sieben Tage währt und doch gleichzeitig noch viel mehr bereithält. Natürlich sind die Erinnerungen, die uns preisgegeben werden, in erster Linie die Seinen, doch auch wenn in Gesprächen mit anderen Familienmitgliedern etwas ans Tageslicht kommt, wird uns das – inklusive Judd’s Gedanken dazu – nicht vorenthalten. Der Autor beschreibt teils sensibel die Geschichte von dieser Familie, die durch einen traurigen Schicksalsschlag aneinandergekettet wird – der Vater verstirbt an Krebs und wird beerdigt. Sein letzter Wunsch, so heißt es, war, dass seine jüdische Familie sieben Tage die traditionelle Totenwache, die Schiwa, hält, indem sie auf niedrigen Stühlen in ihrem Haus alle Besucher empfangen, die dem Verstorbenen ihre letzte Ehre erweisen wollen. Der Anfang des Buches, der insbesondere auf den Tod und die Beerdigung abzielt, ist wirklich sehr ernst geschrieben und wer schon einmal bei einer Beerdigung dabei war, wird mit Sicherheit das eine oder andere Mal schlucken. Danach aber driftet der Text in kurzen Passagen in ziemliche Umgangssprache ab, was meinen Lesefluss doch ein wenig gestört hat. Gut, der Erzähler ist kein Senior, sondern in den Dreißigern, aber muss sich nicht zwangsläufig ausdrücken wie ein Teenager, das wirkt – besonders im Kontext des gesamten Buches – manchmal etwas unglaubwürdig. davon abgesehen ist das Buch aber absolut lesenswert, ich habe es an einem Tag durchgelesen und sogar in Kauf genommen, ein paar Bushaltestellen zurückzulaufen, um es während der Fahrt noch fertig zu schaffen. Ein sehr schönes Buch, das auch viele Informationen über das Judentum bereithält, die mir größtenteils völlig fremd waren, aber interessant zu lesen sind.

[Song of the Week] HAIR – Good Morning Starshine

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Der Song, den ich euch diese Woche bzw am Ende dieser Woche vorstellen möchte, ist ein echter Oldie – schon seit mehr als 40 Jahren geistert er durch die Welt und ist damit mehr als doppelt so alt wie ich (noch!). Vor ein paar Jahren habe ich ihn das erste Mal bei einem Schulchorkonzert gehört und war gleich davon fasziniert, weil er eine so positive Energie verbreitet und gute Laune macht. Jetzt habe ich ihn auf einer Chor-CD wiedergefunden, die ich mir kürzlich gekauft habe und sofort kamen die Erinnerungen wieder hoch!

Zu dem Song an sich gibt es eigentlich wirklich nicht viel zu sagen. Er ist, wie bereits erwähnt, ein wunderschöner Gute-Laune-Song trotz seines Alters und regt auch zum Mitsingen an – trotz vermeintlicher Fantasiesprache in der Mitte des Songs.Oder gerade deswegen? Das wäre mal eine Untersuchung wert. Erst einmal jedenfalls viel Spaß mit diesem Song. Und vielleicht fühlt sich ja der eine oder Andere dazu animiert, sich das Musical HAIR, dem er entstammt,einmal anzuschauen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis jetzt auch noch zu den Menschen gehöre, die es noch nicht gesehen haben…. wird sich aber bald ändern! Und während ich bei Amazon suchen gehe, wünsche ich euch viel Spaß mit dem Song.

[Song of the Week] Tori Amos – Winter

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Der Song, den ich diese Woche vorstellen möchte, ist schon etwas älter – um genau zu sein, feiert er dieses Jahr seinen zwanzigsten Geburtstag. 1992 wurde er veröffentlicht, auf Toris erstem internationalen Album, Little Earthquakes (ein wunderschönes Album mit vielen tollen Songs!). In dem Song geht es nicht nur um den Winter als kalte Jahreszeit, wie wir ihn ja immer wieder erleben, sondern gleichzeitig auch als das Ende von etwas. Das Ende von Lebensabschnitten, das Ende des Lebens. In den Strophen lernt ein Mädchen sehr viel von ihrem Vater über das Leben und welch enormen Stellenwert es hat, dass man weiß, wer man ist und wo man hinmöchte. ZWar versichert er ihr, sie immer lieben zu werden, ganz egal was auch geschieht, gleichzeitig bittet er sie aber auch inständig, die Augen zu öffnen und sich bereit für das große Abenteuer des Lebens zu machen.

Jedes Mal,wenn ich dieses Lied höre, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Die Botschaft, die vermittelt wird, ist ganz klar – man soll das vorbeiströmende Leben anpacken und sich nicht irgendwann davon fortreißen lassen. Dinge können sich so schnell verändern, Vertrautes kann schnell ganz weit fort sein. Der Inhalt allein wirkt schon gänsehautbildend, aber mit Toris sanfter Stimme, die an den absolut richtigen Stellen lauter und eindringlicher wird, und dem Pianospiel gelingt ein musikalisches Meisterstück, das mit den Jahren alles Andere als verstaubt ist. Zwar habe ich das Lied zum ersten Mal vor wenigen Monaten gehört, von einer Sängerin, die ich sehr schätze, doch schon bei diesem ersten Kontakt war ich direkt ergriffen und habe mich zu Hause gleich hingesetzt, um mir den Song noch einmal und noch einmal anzuhören. Und bis heute habe ich nicht genug davon. Wer also ein wenig Melancholie in seine eigenen 4 Wände holen will und in der Stimmung ist, über den Sinn des Lebens nachzudenken, der ist mit diesem Lied genau richtig beraten. Und alle anderen sollten ihm auch auf jeden Fall eine Chance geben, allerdings auch damit rechnen, dass die Sonne im Herzen für einen Moment abkühlen wird.

Catherine Lépront – Clara Schumann

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Inhalt: Wie der Name schon vermuten lässt, bietet dieses Buch eine umfassende Biografie von der großen Pianistin Clara Schumann, die im 19. Jahrhundert gelebt. In diesem Buch wird in drei großen Oberkapiteln (Das Leben vor der Ehe mit Robert, die Zeit mit ihm und das Leben nach seinem Tod) und diversen Unterkapiteln dargestellt, zwischendurch finden sich immer wieder Bilder, sowohl von Clara, Robert und ihren Kindern, als auch von erwähnten Künstlern,die ebenfalls zu ihrer Zeit gelebt haben. Zusätzlich werden gelegentlich Notenausschnitte und Titelseiten von Claras Werken gezeigt. Am Ende des Buches findet sich neben einem umfassenden Literaturverzeichnis auch eine Zeittafel, die die kulturellen und politischen Geschehnisse des 19. Jahrhunderts zusammenfasst und gut nachvollziehbar darstellt.

 

Amhranai meint: Da mich Clara Schumann schon seit Jahren fasziniert, habe ich bereits ein paar Bücher über sie gelesen. Infiziert wurde ich damals im Musikunterricht in der dreizehnten Klasse, als wir mit unserer damaligen Musiklehrerin über sie gesprochen haben. Ihr Leben als erfolgreiche Frau an der Seite eines ebenfalls erfolgreichen Künstlers, verbunden mit allen Höhen und Tiefen, hat mich in seinen Bann gezogen und seitdem verschlinge ich alle Bücher über sie, die ich in die Finger bekomme. Somit waren mir viele Dinge von dem, was in diesem Buch steht, bereits bekannt. Da die einzelnen Lebensjahre von Clara (und Robert) jedoch so ausführlich dargestellt sind, haben sich auch für mich immer wieder viele neue Aspekte gefunden, die mir noch nicht bekannt waren. (Nicht falsch verstehen – ich würde mich noch längst nicht als Clara-Schumann-Experte bezeichnen. Aber einiges ist mittlerweile schon zusammengekommen) Durch die Bilder von den Schumanns und auch den anderen Künstlern wird den Augen immer wieder Abwechslung geboten, gleichzeitig helfen sie enorm, den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts besser zu verstehen. Die einzelnen Kapitel sind nicht zu lang, gleichzeitig aber auch nicht nur rasch zusammengeschrieben, sondern sorgsam recherchiert und mit konkreten Literaturhinweisen versehen, die hinten im Anhang auch erläutert sind. Für alle „Clara-Fans“ eine erfrischende Erweiterung des Wissensstandes, für alle Neueinsteiger ein ausführlicher Überblick, der kaum noch Wünsche offen lässt. Und für alle die, die per Zufall über dieses Buch gestolpert sind und noch nicht recht wissen, was sie damit anfangen sollen, ist es ein Schritt in eine neue Richtung, den zu tun es sich wirklich lohnt!