Theodor Fontane – Mathilde Möhring

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Mathilde Möhring ist ein kurzer Roman des Schriftstellers Theodor Fontane und handelt von der jungen Berlinerin Mathilde Möhring, die aus armen Familienverhältnissen stammt und versucht, sich in der Gesellschaft emporzukämpfen. Dies gelingt ihr größtenteils auch durch die Heirat mit dem Student Hugo Großmann, der dank Mathildes Disziplin und ihrem Drang, dass er doch sein Studium abschließen solle, bald in der Politik Fuß fasst und ihnen beiden zu hohem Ansehen verhilft. Ein Schicksalsschlag treibt Mathilde am Ende des Buches wieder zurück in ihre Heimat, wo sie beschließt, Lehrerin zu werden.

Amhranai meint:

Wenn man einen Klassiker rezensiert und sagt, dass man davon nicht besonders angetan war, hat man ja oft das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Schließlich zählt auch dieses Buch zu Literaturoldies, wenn man sie so nennen will, und sollte eigentlich durch seinen Tiefgang und seine außergewöhnliche Geschichte fesseln. Für mich waren diese gut 100 Seiten schon genug. Die Berlinerin Mathilde Möhring (bei deren Nachnamen ich jedes Mal Assoziationen hatte, die nichts mit dem Thema zu tun haben) lebt gemeinsam mit ihrer armen Mutter in einer kleinen Wohnung und verdient sich ihr Geld dadurch, dass sie das freie Zimmer in der Wohnung vermieten. Eines Tages taucht der Student Hugo Großmann dort auf und scheint recht interessiert. Dennoch sagt er nicht direkt zu, sondern bittet um Bedenkzeit und verschwindet wieder. Während die naive Mutter glaubt, den potenziellen Mieter verloren zu haben, öffnet ihre gebildete Tochter ihr die Augen und teilt ihr mit, dass er sich selbstverständlich längst für sie entschieden hat und nur, um sein Ansehen zu wahren, diese kurze Frist einhalten will. Diese Fähigkeit, absolut alles über jeden zu wissen zu glauben, zieht sich durch das gesamte Buch und ist hin und wieder ziemlich anstrengend, weil sie weit über den gesunden Menschenverstand hinausgeht. Sie mischt sich mit Mathildes naiver Sicht, dass Hugo Großmann ein durch und durch guter Mensch sei, dessen Fehler ein weiterer Ausdruck seines wunderbaren Wesens seien. Ein Beispiel: Großmann diskriminiert die arme Haushälterin der Möhrings, Runtschen, und möchte sie nicht mit sich in einem Raum haben. Während Mutter Möhring sich echauffiert, versucht Mathilde sie damit zu beschwichtigen, dass Großmann eben nur Augen für das Schöne habe und hässliche Menschen nicht ausstehen könne. Und wer das Schöne bevorzuge, bevorzuge auch das Gute, während der, der sich auch dem Hässlichen zuwendet, vom Bösen angetan ist. Diese Einstellung Mathildes ist mitunter sehr anstrengend. Zu den Verhältnissen, wie sie heute vielleicht auch nur noch teilweise nachvollzogen werden können, gesellt sich die Sprache Fontanes, die einige Male für Holperer im Text sorgt. In meiner Fassung werden zusätzlich noch Worte, die im Originaltext anscheinend nicht vorhanden waren (ich gestehe, dass ich mir nicht den gesamten Anhang durchgelesen habe, da dieser etwa genauso lang ist wie das Buch selber), in Klammern ergänzt wurden. Dies dient der historischen Korrektheit, stört aber den Lesefluss massiv, der ja ohnehin bereits eingeschränkt war.

Erstaunt hat mich die außergewöhnlich nüchterne Sprache Fontanes – gerade im Vergleich zu Effi Briest, wo viele Sätze eine halbe Seite in Anspruch nahmen,weil sie die Umgebung und Ähnliches in kleinsten Details darstellten, wirken die Beschreibungen hier recht kurz und knapp. Mag sein, dass ich durch Effi ein falsches Bild von Fontanes Schreibstil in meinem Kopf hatte, aber in meinen Gedanken stand Fontane für diese unheimlich ausufernde Sprache, die mir hier fehlte. Vielleicht hätte sie die Kühle wieder wettgemacht, die Mathilde ausstrahlt und die mich immer wieder zu kurzen Lesepausen gezwungen haben, weil ich dringend wieder ein wenig Sonne in mein Herz lassen musste.

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