Oscar Wilde – Das Bildnis des Dorian Gray

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Inhalt:

Im neunzehnten Jahrhundert lebt in England ein junger Mann namens Dorian Grey, der den Begriff der Schönheit verkörpert. Sein Äußeres ist absolut makellos, auch sein Wesen ist unbefleckt und von Grund auf gut und rein. Die Begegnung mit seinem zukünftigen Wegbegleiter Lord Henry Wotton verändert sein Leben von Grund auf: Wotton erklärt ihm, dass er bis jetzt noch gar nicht gelebt habe und damit beginnen solle, solange er noch so jung und schön ist. Dorian Grey nimmt sich diese Worte sehr zu Herzen, ist er sich durch erst durch Wotton seiner Schönheit und der Vergänglichkeit eben dieser bewusst geworden. Das von seinem Künstlerfreund Basil Hallward angefertige Portrait von ihm scheint ihn tagein, tagaus zu verspotten und ihm zu zeigen, dass es auch noch in vielen Jahren so makellos schön sein wird, er hingegen alt werden wird. Voller Verzweiflung betet er, dass die Zeichen der Zeit nicht ihn, sondern das ihn zeigende Gemälde treffen mögen, um sein Leben und sein Äußeres so rein zu halten, wie es vor dem Aufeinandertreffen mit Wotton war. Sein Wille geschieht und anstatt seines Gesichts verändert sich immer nur sein Gemälde, weist jedoch nicht nur Zeichen des Alters auf, sondern auch Wandlungen in seinem gesamten Leben. Dorian Grey genießt das Leben, lässt nichts unversucht, um die absolute Erfüllung zu erfahren und zerstört sich innerlich selbst. Doch als er dies erkennt, scheint es bereits zu spät zu sein.

Amhranai meint:

Dieses Buch ist wirklich eindrucksvoll, um es mit wenigen Worten auszudrücken. Am Anfang wird das Leben Dorian Greys als friedlich und schön beschrieben, bevor die Begegnung mit Henry Wotton ihn völlig aufwühlt und alles auf den Kopf stellt, was zuvor da gewesen war. Sein Leben verändert sich von Grund auf, mehrere Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen machen ihn zu einem völlig anderen Wesen. Dabei bleibt sein Äußeres verschont und makellos, das Gemälde dagegen zeigt seine Grausamkeit. Dieser Aspekt des Buches ist der einzige, der wirklich nicht realistisch scheint. Alles andere ist -zumindest größtenteils – vertretbar und könnte durchaus so vorgekommen sein. Dorian Grey wird uns als ein Mensch vorgestellt, der noch nicht weiß, was es wirklich heißt, zu leben und der von Henry Wotton auf den vermeintlich richtigen Pfad gebracht wird. Wotton wirkt hier nicht als eine Vaterfigur, sondern eher als ein älterer Freund, der Grey mit psychologischen Reden und Vorschlägen überhäuft. Er ist es, der in Grey das Bedürfnis erweckt, sich zu ändern und viel mehr zu sehen als nur das, was sich ihm bis zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben erschlossen hat. Kaum den Kinderschuhen entwachsen, zieht Grey los, um das Leben zu entdecken. Eine Liebelei mit einer noch unbekannten Schauspielerin, die tragisch endet, ist erst der Anfang in seinem Weg, der ungefähr 20 Jahre dauern soll und in zwei großen Etappen von Wilde geschildert wird: zunächst die Anfangsphase, in der Grey ungefähr 20 Jahre alt ist, und dann die Ausmaße, die sein Lebenswandel angenommen hat. Als Überleitung dient eine Beschreibung dessen, was Grey alles entdeckt und womit er sich beschäftigt hat. Die Schilderungen reichen von verschiedenen Musikinstrumenten über Edelsteine bis hin zu literarischen Werken, wobei hier eine genaue Recherche Wildes deutlich wird. Die Präzision, mit der die unterschiedlichen Erfahrungen und ihre Inhalte dargestellt werden, reicht weit über eine simple Aufzählung hinaus. Auch sonst geizt das Buch nicht mit Details, der Gefühlszustand Greys wird viele Male zum Mittelpunkt des Geschehens. Obwohl Grey uns seine Geschichte nicht selbst erzählt (sondern uns diese in Form eines Er-Erzählers dargeboten wird), erfahren wir viel darüber, wie er sich fühlt und warum er so handelt, wie wir es sehen. Dabei erschließen sich dem Leser oft nur Bruchstücke seiner Gedankengänge, da sie von dem ungeheuren Hunger auf die Welt durchzogen sind und einem objektiven Außenstehenden gar nicht begreiflich gemacht werden können. Die Sehnsucht nach dem Leben und die Sehnsucht nach der ewigen Jugend berühren das gesamte Buch durch, und auch wenn man Grey hin und wieder gerne wachrütteln würde, um ihn zu bitten, nicht blind auf das zu vertrauen, was der ominöse Lord Wotton ihm sagt, sondern die Welt auf seine Weise zu entdecken und seine eigenen Werte beizubehalten, so fiebert man die gesamte Zeit mit ihm und wünscht ihm, dass er seine Erfüllung findet.

Ein wirklich fesselndes Buch, das mich nach anfänglichen Schwierigkeiten (die Sprache ist zum Teil etwas veraltet und die Charaktere haben verwirrende Spitznamen, beispielsweise wird Lord Henry gerne Harry genannt) bis zu seinem Ende nicht mehr losgelassen hat und mich auch noch im Nachhinein sehr beschäftigt. Wie weit kann man bei der Suche nach Erfüllung und Glück gehen, wo sind die Grenzen?

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