Jonathan Tropper – Sieben verdammt lange Tage

Gepostet am Aktualisiert am

Inhalt:

Die Familie Foxman ist eine von denen, die man immer gerne mit der eigenen Familie vergleicht, weil diese dagegen friedlich und harmonisch erscheint. Die vier Geschwister Wendy, Paul, Phillip und Judd führen jeweils teils erfolgreiche Leben, die aber auch immer einen sehr bösen Beigeschmack haben. Zusammen mit ihrer äußerst extrovertierten Mutter sind sie für sieben Tage an ihr Elternhaus gebunden, als Totenwache für ihren verstorbenen Vater. Innerhalb dieser sieben Tage kommen viele Erinnerungen hoch, doch auch Konflikte und Brandherde bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche, so dass diese Woche alles Andere als andächtig verläuft. Inmitten der vielen Besucher enthüllen sich Dinge, die eigentlich besser unter dem Mantel der Verschwiegenheit geblieben wären. Wie wird die Familie nach dieser Zeit auseinandergehen?

 

Amhranai meint:

Ich bin Ewigkeiten um dieses Buch herumgeschlichen, bevor ich mich dazu entschlossen habe, es doch zu kaufen. Das Thema, was behandelt wird, ist ein sehr ernstes und ich war sehr gespannt darauf, wie der Autor Jonathan Tropper dies umsetzen würde und aus welcher Perspektive die Geschichte erzählt werden würde. War eines der (erwachsenen) Kinder der Erzähler? Würde die Mutter als Erzählerin fungieren oder gar der Geist des Vaters aus dem Himmel? Alles Fragen, die sich schon schnell beantwortet hatten – Judd als zweitältester Sohn der Familie erzählt uns diese Geschichte, die sieben Tage währt und doch gleichzeitig noch viel mehr bereithält. Natürlich sind die Erinnerungen, die uns preisgegeben werden, in erster Linie die Seinen, doch auch wenn in Gesprächen mit anderen Familienmitgliedern etwas ans Tageslicht kommt, wird uns das – inklusive Judd’s Gedanken dazu – nicht vorenthalten. Der Autor beschreibt teils sensibel die Geschichte von dieser Familie, die durch einen traurigen Schicksalsschlag aneinandergekettet wird – der Vater verstirbt an Krebs und wird beerdigt. Sein letzter Wunsch, so heißt es, war, dass seine jüdische Familie sieben Tage die traditionelle Totenwache, die Schiwa, hält, indem sie auf niedrigen Stühlen in ihrem Haus alle Besucher empfangen, die dem Verstorbenen ihre letzte Ehre erweisen wollen. Der Anfang des Buches, der insbesondere auf den Tod und die Beerdigung abzielt, ist wirklich sehr ernst geschrieben und wer schon einmal bei einer Beerdigung dabei war, wird mit Sicherheit das eine oder andere Mal schlucken. Danach aber driftet der Text in kurzen Passagen in ziemliche Umgangssprache ab, was meinen Lesefluss doch ein wenig gestört hat. Gut, der Erzähler ist kein Senior, sondern in den Dreißigern, aber muss sich nicht zwangsläufig ausdrücken wie ein Teenager, das wirkt – besonders im Kontext des gesamten Buches – manchmal etwas unglaubwürdig. davon abgesehen ist das Buch aber absolut lesenswert, ich habe es an einem Tag durchgelesen und sogar in Kauf genommen, ein paar Bushaltestellen zurückzulaufen, um es während der Fahrt noch fertig zu schaffen. Ein sehr schönes Buch, das auch viele Informationen über das Judentum bereithält, die mir größtenteils völlig fremd waren, aber interessant zu lesen sind.

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2 Kommentare zu „Jonathan Tropper – Sieben verdammt lange Tage

    traumtaenzerin sagte:
    Januar 28, 2012 um 10:21 pm

    Von Jonathan Tropper wollte ich schon immer mal was lesen und dieses Buch klingt wirklich interessant! Vielen Dank für’s Vorstellen – das Buch wandert direkt auf meine Wunschliste. 😉

      amhránaí geantwortet:
      Januar 29, 2012 um 10:54 am

      Ich muss gestehen, dass ich vorher noch nichts von ihm gehört hatte, aber jetzt werde ich mich auch mal bewusst nach anderen Büchern von ihm umsehen. Schön, wenn ich dir die Entscheidung erleichtern konnte 🙂

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